Der Sprung ins kalte Nass
- Christine Nöh

- 18. Juli 2025
- 2 Min. Lesezeit

Menschen mit einem sonnigen Gemüt gelingt es wesentlich leichter,
über den eigenen Schatten zu springen.
Ernst Ferstl
Diese Figur am Beckenrand ist bereit. Jeden Moment kann es losgehen mit ihrem Bad im kleinen Teich. Sie ist gerüstet und absprungfertig. Die Badekappe sitzt und der Badanzug ist figurfreundlich längsgestreift. Jetzt fehlt nur noch ein kleiner Hops und schon ist sie im Wasser. Das alles sehen wir in unserem Kopf. Wir können fast spüren, dass sie abspringt. Aber es passiert nicht.
Selbst wenn ich Tage später hier vorbei kommen würde, dann stünde sie immer noch da. Jeder wird sagen, dass das ja klar ist, denn es ist nur eine Figur. Aber es ist eine Figur, die für so vieles steht. Viele Menschen machen sich bereit für dieses oder jenes und dann bleiben sie gut gerüstet am Beckenrand stehen. Ich kenne Menschen die sich oftmals die perfekte Ausrüstung gekauft haben, für dieses oder jenes, aber genutzt haben sie diese Ausrüstung nie.
Man hört so oft, von dem was man alles machen könnte und sieht so oft, dass es eben nicht gemacht wird. "Es passt dann gerade doch nicht, es kommt etwas dazwischen, aber nächstes Jahr hat man bestimmt dafür Zeit."
Es kostet immer wieder Mut abzuspringen. Sehr oft ist uns der vertraute Boden, auch wenn er noch so hart ist, lieber als in einem Wasser zu schweben, das wir nicht kennen. Es ist gut, immer mal wieder etwas zu wagen und nicht nur darüber zu reden. Oft ist das Wasser gar nicht so kalt, wie wir dachten und wenn es uns nicht gefällt, können wir doch auch an den Beckenrand schwimmen und wieder raus klettern.
Würde man sich nicht am liebsten von hinten anschleichen und schubsen mit der Aufforderung: "Jetzt schwimm doch endlich."?




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