Lebensspuren


Das Wesentliche einer Kerze ist nicht das Wachs, das seine Spuren hinterläßt, sondern das Licht.
Antoine de Saint-Exupéry
Wir sind alle geprägt von unserer Vergangenheit. Das was wir schon als Kinder erlebt haben hinterläßt Spuren, die ein Leben lang sichtbar sind. Mal mehr, mal weniger. Selbst wenn sich das Leben völlig geändert hat, kommt man aus manchen Prägungen nicht mehr raus.
Meine Mutter hatte in der Kindheit Hunger und schlechtes Essen erlebt. Für sie war Essen immer wertvoll und niemals hätte sie etwas weg geworfen, das noch gut war. Diese Prägung war so tief, dass ich sie selbst noch in mir trage, obwohl ich niemals in solch schlechten Zeiten gelebt habe.
Das was ich erlebe prägt mich, was ich aber damit mache, ist meine Entscheidung. Der Mangel und die Entbehrung, die meine Mutter erlebt hatte, machte sie zu einem großzügigen Menschen, bei dem es immer reichlich zu Essen gab. Am Tisch wurde mehrfach angeboten noch etwas zu nehmen, selbst wenn man satt war. Das habe ich früher nie verstanden.
Erst jetzt verstehe ich, dass sie so aufgewachsen ist, dass man sich nicht gewagt hätte bei anderen etwas zu essen. Man hatte sich erst etwas genommen, wenn es einem förmlich aufgedrängt worden war. Daher hatte sie später immer reichlich angeboten und aufgetischt. Egal wer kam, es gab immer genug für alle. Es wurde ein Teller dazugestellt und in großen Portionen auf den Teller getan.
Ich kann die Erfahrungen meiner Kindheit und Jugend nicht verändern. Was ich aber selbst draus mache, das kann ich bestimmen. Das ist dann meine eigene Verantwortung.




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