• Christine Nöh

FOMO


Wenn wir nicht ganz wir selbst sind, wahrhaft im gegenwärtigen Augenblick, verpassen wir alles.

Thích Nhat Hanh


Hast du FOMO? Nein, das ist kein neuer Virus, es ist aber trotzdem manchmal ansteckend und verbreitet wie eine Krankheit. FOMO (Fear of missing out) ist die Angst etwas zu verpassen. Die Angst nicht im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein und dadurch die Chance des Lebens zu verpassen.


Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Party in meiner Jugend. Es war die angesagteste Geburtstagsfeier des Jahres und ich war eingeladen. Aber am Tag zuvor wurde ich krank und trotz aller Medikamente, lag ich am entscheidenden Tag im Bett, statt auf die Party zu gehen. Ich dachte damals wirklich, dass die Welt untergeht und ich das Glück meines Lebens verpasse. Komischerweise ist das nicht passiert und ich habe mein Leben nicht gegen die Wand gefahren.


Die Angst etwas zu verpassen, bringt heute viele, vor allem junge Menschen dazu, sich nicht festlegen zu wollen. Man sagt im letzten Moment ein Treffen wieder ab, weil man gerade etwas besseres gefunden hat, oder man hüpft von einem Event zum nächsten, um zu sehen wo es denn am besten ist.


Aber es betrifft nicht nur junge Menschen oder besondere Ereignisse, eigentlich kann sich FOMO durch alle Lebenssituationen durchziehen. Man kann sich beim Essen gehen nicht entscheiden, welches Gericht man bestellen möchte und wenn man dann bestellt hat und das Essen von anderen sieht, dann möchte man am liebsten doch das andere essen.


Besonders anfällig sind wir auf Verkaufsangebote, denn wenn ich etwas nicht sofort kaufe, ist es morgen vielleicht schon weg. Das wird bewusst von der Werbung genutzt, indem sie schreiben, dass z.B. nur noch 5 Teile vorrätig sind und das Angebot nur noch 3 Stunden dauert... Oder mir gefällt ein Pulli gut, aber ich kann mich nicht entscheiden, welche Farbe ich kaufen soll, und kaufe dann beide. Für Verkäufer ist es gut, wenn wir viel FOMO haben.


Wo ist aber nun ein Problem, wenn ich FOMO habe? Das Problem ist, dass ich immer in der nächsten Möglichkeit oder der verpassten Gelegenheit lebe und selten in der normalen Gegenwart. Wenn ich Angst davor habe, etwas zu verpassen, dann möchte ich mich nicht auf einen Partner festlegen, denn es könnte ja noch jemand besseres kommen, ich möchte mich nicht auf eine Arbeit festlegen, denn ich könnte ja woanders Karriere machen und ich verpasse die besten Erlebnisse, weil ich nur auf dem Sprung bin und nicht wirklich anwesend.


Das wichtigste, das wir im Leben lernen können, ist, dass wir nein sagen können und jeden Moment nutzen, so wie er eben ist. Dann bin ich vielleicht nicht auf der coolsten Party des Jahres, aber ich erlebe einen wunderschönen Sonnenuntergang, den ich nie vergesse, weil ich mit meinem ganzen Herzen dabei bin.


Eines ist sicher: Wir werden auf jeden Fall unglaublich viel verpassen im Leben, denn wir können unmöglich an allen Orten gleichzeitig sein. Aber das muss uns keine Angst machen. Wenn wir unsere FOMO aber nicht verlernen, dann verpassen wir womöglich auch das einzig wahre Leben, das wir nur haben können, wenn wir in der Gegenwart mit ganzem Herzen anwesend sind.


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