Zufall
- Christine Nöh

- vor 2 Stunden
- 1 Min. Lesezeit

Manchmal überrascht einen das Leben auf ungewöhnlichste Art. Gestern habe ich am Frankfurter Hauptbahnhof auf eine Freundin gewartet, deren Zug später kam als meiner.
Ich stand einfach so irgendwo auf dem riesengroßen Wartebereich und beobachtete die Menschen, die um mich herum wuselten. Immer wieder war ich im Weg und ging mal ein Stück weiter.
Dann ging ein Mann an mir vorbei, der mich an einen Freund vor 30 Jahren erinnerte. Nur zwei Meter entfernt zog er seinen Trolley über die Steinplatten. Vor über dreißig Jahren hatte er einen Vollbart, dieser Mann hatte keinen, aber ich wusste, dass er sich diesen abrasiert hatte.
Ich hätte einfach seinen Namen sagen können, aber mir kam kein Ton über die Lippen. Genau so, wie ich es in Büchern immer hasse.
Als er weiter ging sah ich ihn von hinten und die Gangart machte mich plötzlich sicher, dass er es gewesen ist. Da war er aber schon so weit weg, dass ich nicht mehr hinterher rennen wollte.
Ich habe gegrübelt ob er es nun war oder nicht. Da fiel mir ein, dass ich noch seine E-Mail Adresse von früher habe und hab ihm einfach mal geschrieben.
Tatsächlich kam schnell eine Antwort und ich hatte mich nicht geirrt.
Ich finde es unglaublich, dass ich einen Menschen, den ich über dreißig Jahre nicht gesehen hatte, so zufällig in einer Menschmasse entdeckt und erkenne. Nur schade, dass ich ihn nicht angesprochen hatte.




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