• Christine Nöh

Mittendrin


Ich freue mich jedesmal, wenn schlechtes Wetter ist.

Denn wenn ich mich nicht freue, ist auch schlechtes Wetter.

unbekannt


Nach einer langen Konferenz war es gestern die bester Idee mit einer Freundin noch eine Runde durch die Natur zu gehen. Wir fuhren zur Trupbacher Heide, ein Naturschutzgebiet mit einer weiten freien Hochebene. Ich habe die Wolken bewundert und mich dann vor dem einsetzenden leichten Graupel mit meiner Kapuze geschützt. Als wir in Gespräche vertieft oben auf der weiten freien Fläche angekommen waren, hatte ich das Gefühl, dass wir von einer riesigen Kamera fotografiert werden. Ein gigantischer Blitz zog vor uns von links nach rechts und erleuchtete die Landschaft.


Da direkt ein Donner folgte, war klar, dass dieses Gewitter nicht noch weit weg ist und dass wir natürlich am bestmöglichen Platz für solch ein Naturereignis waren. Die freistehende hohe Eiche in unserer Nähe war auch nicht gerade vielversprechend. Wir rannten daher einige hundert Meter zurück, wo wir durch eine Senke auf die Hochebene gelangt waren. Dort warteten wir in eine Mulde gekauert ab, wie das Unwetter über uns hinwegzog.


Mal blitze es von links, dann mal von rechts, mal war der Donner weiter weg, dann wieder fast genau über uns. Ein Schneesturm fegte über uns hinweg, aber ich merkte noch nicht mal, dass mir kalt sein könnte. Irgendwann trauten wir uns wieder aus unserem Loch und machten uns auf den Heimweg, immer im Schutz des halbhohen Waldes, und nicht über die offene Ebene wie sonst.


Eigentlich war ich mir ziemlich sicher, dass ich aus der Situation heil wieder heraus komme, aber gegenüber solch einer Naturgewalt fühlt man sich schon sehr machtlos. Am gefährlichsten war die Strecke auf der offenen Höhe zurück zu rennen, aber statt dessen genau dort zu bleiben schien mir eine noch schlechtere Idee.


Wir haben heute vieles im Griff und können vieles planen, aber so von einem Gewitter überrascht zu werden und plötzlich mittendrin zu sein, das habe ich weder vorhergesehen noch damit gerechnet. Die Natur können wir nicht steuern, und Blitze kann man nicht vorher berechnen. Man kann sich möglichst richtig verhalten, eine Senke aufsuchen, sich hinhocken, sehen, dass kein einzelner richtig hoher Baum in der Nähe ist. Aber hundertprozentige Sicherheit haben wir nicht.


Gleichzeitig vertraue ich darauf, dass Gott mein Leben in der Hand hält. So bin ich auch in einem Gewitter nicht hilflos den Blitzen ausgesetzt. Das heisst aber nicht, dass ich ohne Verstand weiter über die offene Höhe spazieren kann. Es kommt beides zusammen, das Vertrauen und das richtige Handeln. Aber eine Garantie, dass es gut ausgeht haben wir trotzdem nicht.


Es ist immer wieder gut, wenn wir daran erinnert werden, dass letztendlich unser Leben zerbrechlich ist. Es erinnert mich daran, dass ich mir auch heute ganz genau überlege, worauf es wirklich ankommt, wofür ich meine Lebenszeit einsetze, wem ich heute mit Liebe und Freundlichkeit begegnen kann und über was es sich wirklich lohnt sich aufzuregen. So vieles wird dann plötzlich lächerlich unwichtig.


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