Schlichte Schönheit
- Christine Nöh

- 31. Mai
- 1 Min. Lesezeit

Wenn die Rose mittags ihre morgendliche Schönheit verloren hat, dann war die Schönheit echt. Nichts in der Welt ist von Dauer, und wir sind Narren, wenn wir wünschen, dass etwas bleibt, wie es ist. Noch größere Narren sind wir aber, wenn wir uns nicht daran erfreuen, solange wir es haben.
William Somerset Maugham
Die gezüchteten Rosen beeindrucken durch ihre Farben, die vielen Blätter und ihre Größe. Sie werden gehegt und umschwärmt. Dagegen führt die Heckenrose ein beschauliches Dasein, oft wild wuchernd am Feldrand. Aber hat diese unbeachtete Pflanze nicht auch ihre ganz eigene Schönheit?
Sie ist für die Natur und die Tiere sogar so viel wertvoller. Die Insekten kommen problemlos an ihren Nektar und die Früchte werden im Herbst und Winter von vielen Tieren als Nahrung genutzt. Trotz ihrer Zartheit ist die Pflanze widerstandsfähig und kann sich durchsetzen.
Ist es bei den Menschen nicht auch ein bißchen so wie bei den Rosen? Die herausragenden Schönheiten werden bewundert und beachtet. Aber unser gesamtes Zusammenleben wird von vielen Menschen getragen, die still ihre unbewunderten Arbeiten machen und keinen Applaus dafür erhalten.
Ich meine nun nicht, dass wir die außergewöhlichen Menschen nicht bewundern dürften. Aber wir sollten alle anderen daneben nicht vergessen.




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