• Christine Nöh

Immer gleich


Wenn man vor dem Abgrund steht, dann ist der Rückschritt ein Fortschritt.

Friedensreich Hundertwasser


Sehr oft gehe ich genau die gleiche Strecke durch den Wald und so mancher wundern sich vielleicht darüber, dass mir das nicht langweilig wird. Dieser immer gleiche Weg hat aber auch viele Vorteile. Ich weiss genau, wie lange es dauert und kann diese Strecke eben mal kurz dazwischen schieben wenn ich eine knappe Stunde Zeit habe.


Wenn ich diesen Weg gehe, muss ich nicht überlegen, wo ich abbiegen muss. Ich muss also keinerlei Entscheidungen treffen und kann mich daher auf ganz andere Dinge konzentrieren, über die ich gerade nachdenken möchte.


Dieser immer gleiche Weg hilft mir gegen ein Problem zu arbeiten, das wir Menschen haben und das uns immer mehr gefangen nehmen kann, wenn wir nichts dagegen tun. Wir haben nämlich die Neigung, dass uns etwas schnell langweilig wird und wir daher immer etwas Neues brauchen. Deshalb kauft man sich neue Kleidung obwohl der Schrank schon voll ist, oder neue Handtaschen, obwohl man 20 Stück im Schrank hat und ja immer nur eine mitnehmen kann.


Etwas Neues gibt uns einen emotionalen Kick, der dafür sorgt, dass wir uns besser fühlen. Aber wie mit allem, ist es so, dass wir immer mehr benötigen, umso mehr wir diesem nachgeben. Erst ist das neue Shirt toll und gibt uns ein gutes Gefühl, dann haben wir es aber 10 mal angezogen und es ist langweilig geworden.


Wenn wir richtig in den Strudel des immer Neuen geraten sind, reicht es uns irgendwann auch nicht mehr etwas Neues zu kaufen, sondern es muss dann immer besser, immer exklusiver oder immer wertvoller werden. Letztendlich lässt uns aber alles das unzufrieden zurück, denn alles hält immer nur eine kurze Zeit lang an.


Deshalb finde ich es gut die immer gleiche Strecke zu gehen, damit ich nicht immer etwas neues brauche um zufrieden zu sein. Man kann das sogar noch besser trainieren, indem man auf der immer gleichen Strecke entdeckt, was sich von einem Tag zum anderen verändert. Es ist tatsächlich so, dass ich sehr oft etwas entdecke, das ich noch nie zuvor gesehen habe. Und bei jedem Wetter sieht der gleiche Weg wieder anders aus.


Wir brauchen gar nicht so viel Neues in unserem Leben, wenn wir lernen in dem was wir haben, immer wieder etwas Besonderes zu entdecken. So kann man gute Bücher mehrmals lesen und immer wieder tolle andere Gedanken entdecken. Man kann gute Filme mehrmals ansehen und jedesmal andere Details entdecken, die man bisher nicht beachtet hatte und ich kann die Kleidung die ich habe immer wieder anders kombinieren, ohne immer etwas neues kaufen zu müssen.


Wie gut ist es, wenn wir unabhängig davon werden, immer etwas Neues haben zu müssen. Denn sonst rennen wir möglicherweise wie ein Esel der Möhre hinterher, die an einer Schnur vor seiner Nase hängt und der dabei übersieht, dass wunderbares Gras direkt vor seinen Hufen wächst. Es ist das größte Märchen der Konsumgesellschaft, dass man immer etwas Neues braucht zum Glücklichsein.


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